——Alec’s Sicht ——
Alec: Ich starrte noch einen Moment auf das schwarze Display meines Handys, nachdem die Verbindung abgebrochen war. Das Rauschen von New York drang von unten herauf – gelbe Taxis, Sirenen, das unaufhörliche Summen einer Stadt, die niemals stillstand. Aber in meinem Kopf war es ganz ruhig. Ich sah immer noch Elenas verweinte, aber erleichterte Augen vor mir.
Ich stieß mich von dem eisernen Geländer der Feuertreppe ab und ging zurück in die dicke, schallisolierte Luft des Studios.
Luca: (drehte sich in seinem Bürostuhl um und grinste mich an) „Und? Hat die Muse aus Griechenland angerufen? Du siehst aus, als hättest du gerade einen Geist gesehen – oder eine Göttin.“
Ich: „Beides, Luca. Beides.“
Ich schnappte mir meine Gitarre und setzte mich auf den hohen Hocker mitten im Raum. Der Spot über mir war das einzige Licht. Alles andere versank im Schatten.
Ich: „Lass uns den Mittelteil von ‚Oceans Apart‘ noch mal machen. Aber vergiss den poppigen Sound. Ich will es pur. Nur ich, die Saiten und die Wahrheit.“
Luca: „Alles klar, Alec. Band läuft. In drei… zwei… eins…“
Ich schloss die Augen. Ich dachte nicht mehr an die Plattenbosse in Manhattan oder daran, wie viele Klicks dieser Song später generieren würde. Ich dachte an das kleine Haus in den Hügeln Griechenlands. Ich dachte an die Schatulle mit den Briefen, die Elena mir gerade gezeigt hatte – Worte, die Jahrzehnte gebraucht hatten, um ihr Ziel zu finden.
Ich schlug die erste Saite an. Der Ton hallte rein und klar durch den Raum.
Ich: (singend) „You were a ghost in a letter, a name on a page, while I was just fighting the storms and the age… Now the ocean is wide, but the silence is broken, and all of the truths that we never had spoken, are finding their way back home.“
Meine Stimme klang rauer als sonst. Da war der ganze Schmerz der letzten drei Jahre drin – die Beerdigung von Grace und William, die einsamen Nächte in Melbourne, in denen ich Elena einfach nur gehalten hatte, während sie weinte. Aber da war auch diese neue Hoffnung.
Als der letzte Akkord verklang, herrschte absolute Stille im Kontrollraum. Luca nahm die Kopfhörer ab und starrte auf den Monitor.
Luca: „Verdammt, Alec. Das war… das war kein Song mehr. Das war ein Geständnis. Wenn wir das so lassen, wird das das Herzstück des Albums.“
Ich legte die Gitarre vorsichtig zur Seite. Mein Herz klopfte immer noch gegen meine Rippen.
Ich: „Es muss das Herzstück sein, Luca. Weil es ihre Geschichte ist. Und meine.“
Ich griff wieder nach meinem Handy und tippte eine schnelle Nachricht an Elena, während Luca an den Reglern drehte.
Ich (per Text): „Hab gerade den letzten Take eingesungen. Er ist perfekt. Ich kann es kaum erwarten, ihn dir vorzuspielen. Vielleicht schaffe ich es, nach den Aufnahmen für ein paar Tage rüberzufliegen? Ich halte es hier ohne dich kaum aus, Elena. Die Lichter in New York sind hell, aber sie wärmen nicht so wie du.“
Ich sah zu, wie die drei Punkte auf dem Display erschienen – sie tippte. Mein Atem stockte. In diesem Moment war es völlig egal, dass ich in New York City war und kurz vor meinem großen Durchbruch stand. Ohne sie war der Erfolg nur Lärm.

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