Der Palast der Seufzer machte seinem Namen alle Ehre. Die hohen Wände bestanden aus Glas, das ständig die Farbe wechselte – von einem tiefen Blutrot zu einem kühlen Silber. Überall hörte man ein leises Wispern, als würden die Wände selbst Geheimnisse flüstern. Philipp und Alec hielten sich im Hintergrund, perfekt getarnt als meine Leibwächter. In meinem Kopf spürte ich ihren Schutz wie einen warmen Mantel, doch die Blicke der anderen Gäste brannten auf meiner Haut. Hier gab es keine Menschen; nur Dämonen, Schattenwesen und gefallene Wesenheiten in prächtigen Gewändern. Philipp: „Bleib ruhig, Jennifer. Dein Herzschlag ist zu schnell. Atme tief durch.“ Ich folgte dem Diener in einen privaten Salon am Ende der großen Halle. Dort saß ein Mann in einem Sessel, der aus den Knochen gigantischer Vögel gefertigt war. Er hatte blasse Haut und Augen, die wie geschliffene Saphire leuchteten. Malphas. Malphas: „Eine neue Blume in meinem Garten der Kuriositäten. Und was für eine prachtvolle. Komm näher, meine Liebe.“ Ich trat vor, die schwarze Seide meines Kleides raschelte bei jedem Schritt. Philipp und Alec blieben an der Tür stehen, ihre Präsenz war wie ein drohendes Gewitter im Raum. Jennifer: „Ich habe gehört, Sie sammeln Dinge, die es eigentlich nicht geben dürfte, Malphas. Da dachte ich, ich statte Ihnen einen Besuch ab.“ Malphas lachte leise und stellte ein Kristallglas beiseite. Er deutete auf einen kleinen Tisch zwischen uns, auf dem zwei goldene Kelche standen. Malphas: „Bevor wir über Geschäfte reden, spielen wir ein Spiel. Das Spiel der Wahrheit. Wir trinken beide. Der Wein zwingt den Geist, die Wahrheit zu sagen. Wer eine Lüge ausspricht, dessen Blut wird zu Eis erstarren. Traust du dich?“ In meinem Kopf schrie Alecs Stimme: „Tu es nicht! Er will deine Identität als Chaos-Kind enttarnen!“ Doch ich wusste, wenn ich ablehnte, würden wir den Palast nie lebend verlassen – und die Träne der Vergessenheit bliebe unerreichbar. Ich setzte mich ihm gegenüber und griff nach einem Kelch. Jennifer: „Stellen Sie Ihre Frage, Malphas.“ Malphas: „Ganz direkt: Suchst du die Träne der Vergessenheit, um sie zu besitzen… oder um jemanden damit zu zerstören?“ Ich spürte, wie der Wein in meiner Kehle zu brennen begann. Die Magie des Getränks suchte nach der Wahrheit in meinem Herzen. Das Chaos in mir bäumte sich auf, es wollte nicht kontrolliert werden. Jennifer: „Weder noch. Ich suche sie, um eine Schuld zu begleichen, die älter ist als dieser Palast.“ Das war die Wahrheit – die Schuld gegenüber Silas für unseren Schutz. Mein Blut blieb warm. Malphas zog eine Augenbraue hoch, sichtlich beeindruckt. Malphas: „Interessant. Nun bist du dran.“ Jennifer: „Wo bewahren Sie den Kristall auf? Und ist er wirklich das, was Silas behauptet?“ Malphas lächelte dünn. Er hob seinen Kelch, doch bevor er trinken konnte, erzitterte der Boden. Ein tiefer, grollender Ton hallte durch den Palast. Alec und Philipp zogen gleichzeitig ihre Klingen. Philipp: „Jennifer, weg vom Tisch! Wir haben Gesellschaft!“ Die Glastüren des Salons zersplitterten. Aber es war nicht die Inquisition. Es war eine Gruppe von Engeln, angeführt von einer Gestalt, die ich gehofft hatte, nie wiederzusehen. Sarah. Sie sah nicht mehr heilig aus; ihre Flügel waren angesengt und ihr Blick war voller Wahnsinn. Sarah: „Das Chaos gehört nicht in die Hände eines Sammlers. Es gehört in das Grab!“
Between Devils and Angels – Kapitel 29

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