—— Elena’s Sicht ——
Das Meer lag still. Nicht vollkommen ruhig, aber so gleichmäßig, dass es mir half, wieder langsamer zu atmen. Ich saß auf der niedrigen Mauer vor dem Haus und hielt mein Handy in der Hand, ohne wirklich darauf zu schauen. Alec war noch da. Nicht körperlich, aber in jedem Gedanken, in jedem Satz, den er mir geschrieben hatte.
New York. Studio. Lichter. Und trotzdem diese Einsamkeit zwischen seinen Worten.
Ich las seine Nachricht noch einmal. Die Lichter in New York sind hell, aber sie wärmen nicht so wie du.
Es traf mich mehr, als ich erwartet hatte. Vielleicht, weil ich wusste, dass er es ernst meinte. Alec sagte so etwas nicht leichtfertig.
Der Wind roch nach Salz und warmem Stein. Hinter mir knarrte das alte Haus leise, als würde es sich mit mir bewegen. Die Schatulle mit den Briefen lag noch auf dem Tisch drinnen. Offen. Unversteckt. So wie alles zwischen uns inzwischen.
Ich begann zu tippen, hielt wieder an. Worte hatten uns schon einmal auseinandergebracht. Aber Schweigen hatte es genauso getan.
Ich (per Text):
„Ich sitze draußen und sehe aufs Meer. Es ist ruhig heute. Ich wünschte, ich könnte deine Stimme hören, nicht nur lesen, was du schreibst. Komm her, wenn du kannst. Ich bin hier.“
Ich schickte die Nachricht ab, bevor ich zu viel darüber nachdenken konnte, und ließ das Handy neben mir sinken. Für einen Moment passierte nichts. Nur die Wellen. Nur der Himmel, der langsam dunkler wurde.
Ich stand auf und ging hinein. Das Wohnzimmer war in dieses weiche Abendlicht getaucht, das alles ehrlicher aussehen ließ. Die Briefe in der Schatulle wirkten weniger schwer als noch vor ein paar Stunden. Nicht, weil sie an Bedeutung verloren hatten, sondern weil sie endlich ausgesprochen worden waren.
Draußen vibrierte mein Handy.
Alec (per Text):
„Dann warte nicht allein. Ich versuche, so schnell wie möglich rüberzukommen. Manche Dinge lassen sich nicht planen.“
Ich musste lächeln. Nicht breit, nicht glücklich – eher erleichtert. So, als hätte jemand einen Druck von mir genommen, den ich schon zu lange getragen hatte.
Ich ging wieder hinaus und setzte mich zurück auf die Mauer. Das Meer war dunkler jetzt, aber nicht bedrohlich. Beständig. Da.
Vielleicht war Erfolg wirklich nur laut, wenn man niemanden hatte, der einem wichtig war. Vielleicht war Nähe nichts Dramatisches, sondern einfach das Wissen, dass jemand zurückkommen wollte.
Ich sah hinaus auf das Wasser und dachte an Alec. An uns. Und zum ersten Mal seit Langem fühlte sich die Zukunft nicht unsicher an – nur offen.

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