Thorned – Kapitel 54

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Das Haus war still auf eine Art, die sich nicht bedrohlich, sondern warm und sicher anfühlte, als hätte sich endlich für einen Moment alles beruhigt, was uns in den letzten Tagen verfolgt hatte, und ich lag halb auf Alec, meinen Kopf an seine Brust geschmiegt, während ich seinen ruhigen Herzschlag unter meinem Ohr hörte und spürte, wie seine Finger gedankenverloren mit einer Strähne meiner Haare spielten, als würde auch er diesen seltenen Augenblick festhalten wollen, in dem sich sein Körper nicht mehr anfühlte wie ein gespanntes Drahtseil. Ich atmete seinen Geruch ein, schloss für einen kurzen Moment die Augen und wünschte mir, dass genau dieser Zustand einfach bleiben könnte, dass wir hier liegen bleiben könnten, ohne Angst, ohne Bedrohung, ohne dieses Gefühl, ständig auf etwas Schlimmes vorbereitet sein zu müssen Ich: „Vielleicht… vielleicht wird jetzt wirklich alles gut.“ Er antwortete mir nicht sofort, aber ich merkte an der Art, wie sich sein Brustkorb unter meiner Wange anhob und wieder senkte, dass er darüber nachdachte, ob er diesen Satz überhaupt glauben durfte, ob er sich erlauben konnte, diese Hoffnung zuzulassen, die mir gerade so leicht über die Lippen gekommen war. In genau diesem Moment vibrierte sein Handy. Dieses kurze, harte Geräusch war so fehl am Platz in dieser Ruhe, dass sich sein ganzer Körper unter mir schlagartig anspannte, und ich hob sofort den Kopf, weil ich die Veränderung in ihm deutlicher spürte als das Vibrieren selbst Ich: „Was ist?“ Er hatte das Handy noch gar nicht in der Hand, aber ich sah in seinem Gesicht dieses alte, kalte Gefühl auftauchen, dieses Gefühl, das ihn immer dann überkam, wenn sein Instinkt ihm sagte, dass etwas nicht stimmte, noch bevor er überhaupt wusste, was es war. Langsam zog er das Handy aus der Tasche, sein Blick fest auf das Display gerichtet Unbekannte Nummer. Eine Bildnachricht. Sein Daumen schwebte einen Moment über dem Bildschirm, als würde er instinktiv wissen, dass alles, was jetzt kommt, diesen Abend zerstören würde Ich: „Alec?“ Er öffnete das Bild, und ich sah in derselben Sekunde, wie ihm förmlich die Farbe aus dem Gesicht wich, wie seine Augen größer wurden und sich etwas in ihm schlagartig veränderte, ohne dass ich überhaupt wusste, was er da sah. Wortlos drehte er mir das Display zu. Mir wurde augenblicklich eiskalt. Es war ein Foto von unserem Haus, aufgenommen von draußen, durch ein Fenster, und ich brauchte nicht einmal einen zweiten Blick, um zu erkennen, welches Fenster es war, weil ich es genau vor mir hatte. Dieses Fenster. Genau hier. Genau jetzt. Man sah ihn. Man sah mich. Auf dieser Couch. Mir blieb die Luft weg, als hätte mir jemand in den Magen geschlagen. Sein Handy vibrierte erneut, und ich merkte, wie mein Herz in meiner Brust zu rasen begann, noch bevor ich überhaupt den Text gelesen hatte. Sms:“ Gemütlich habt ihr es euch gemacht.“ Ich: „Nein… nein, nein, nein…“ Alec sprang auf, so abrupt, als hätte ihn jemand gestoßen, und rannte zum Fenster, wo er den Vorhang so ruckartig zur Seite riss, dass die Ringe an der Stange klirrten. Draußen war nur Dunkelheit, und diese Dunkelheit wirkte plötzlich nicht mehr leer, sondern beobachtend, lauernd, als würde sich dort draußen etwas verbergen, das uns die ganze Zeit im Blick hatte. Das Handy vibrierte wieder. Noch eine Nachricht. SMS: „Du hast wirklich geglaubt, es wäre vorbei, Alec?“ Ich stand inzwischen neben ihm und klammerte mich an seinen Arm, weil sich meine Knie weich anfühlten und ich das Gefühl hatte, den Halt zu verlieren Ich: „Wer ist das?“ Aber tief in mir wusste ich es bereits, noch bevor die nächste Nachricht kam, noch bevor er etwas sagen konnte. Das Display leuchtete erneut auf. SMS: „Du hast mir etwas weggenommen. Jetzt nehme ich es mir zurück.“ In genau diesem Moment ging im ganzen Haus das Licht aus, schlagartig und vollständig, sodass die Dunkelheit uns wie eine Wand traf und ich erschrocken die Luft einsog, während von oben Isabels Schrei durch das Haus hallte und unmittelbar danach das laute Krachen von Glas zu hören war. Alec bewegte sich nicht mehr wie ein Mann, der gerade noch auf einer Couch gelegen hatte. Er funktionierte. Alec: „Bleib hinter mir.“ Seine Stimme klang dunkel, kalt und kontrolliert, und ich hörte darin etwas, das ich bisher nur in Extremsituationen wahrgenommen hatte, etwas Gefährliches, Entschlossenes, als würde er in einen Modus wechseln, in dem es nur noch ums Überleben ging. Und irgendwo draußen, verborgen in der Nacht, begann jemand zu lachen.

*Sämtliche Bilder wurden mittels KI erstellt und dienen der kreativen Inspiration sowie zur Unterhaltung

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