Thorned – Kapitel 55

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Die Dunkelheit war so plötzlich da, dass ich für einen Moment vollkommen die Orientierung verlor und mich instinktiv an Alec klammerte, weil seine Nähe in diesem Augenblick das Einzige war, das sich noch real anfühlte, während mein Herz viel zu schnell schlug und Isabels Schrei von oben durch das Haus hallte. Fast gleichzeitig hörte ich unten im Flur ein Geräusch, das ganz sicher nicht von uns kam, ein vorsichtiges Auftreten auf zerbrochenem Glas, das mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte, weil mir klar wurde, dass diese Person längst im Haus war. Alec zog mich ein Stück hinter sich, seine Hand fest um meine, und ich merkte, wie sich seine ganze Haltung veränderte, wie aus dem Mann, der eben noch mit mir auf der Couch gelegen hatte, jemand wurde, der nur noch funktionierte. Dann kam eine Stimme aus der Dunkelheit. Ruhig. Männlich. Kontrolliert. Unbekannt: „Drei Jahre, Alec.“ Ich spürte, wie Alec vor mir vollkommen still wurde. Nicht überrascht. Nicht verwirrt. Sondern angespannt auf eine Art, die mir zeigte, dass er diese Stimme kannte. Alec: „Was willst du hier?“ Seine Stimme war tief und gefährlich ruhig. Ein leises, fast trockenes Lachen kam aus der Dunkelheit. Unbekannt: „Du erkennst mich also doch.“ Oben hörte ich eine Tür aufschlagen und Jennifers panische Stimme, die nach Philipp rief, und mir wurde schlagartig bewusst, dass meine Eltern ebenfalls hier waren und dass dieser Mann ganz genau wusste, dass wir nicht allein waren. Schritte auf Glas. Langsam. Bedrohlich ruhig. Unbekannt: „Ich habe mich gefragt, wie lange es dauert, bis du wieder Angst bekommst.“ Ich verstand nichts. Aber Alec verstand alles. Das sah ich. Sein Körper war wie versteinert, jede Muskelfaser angespannt. Alec: „Lass sie da raus.“ Unbekannt: „So wie du meine Schwester rausgelassen hast?“ Mir zog sich der Magen zusammen. Olivia. Sofort wusste ich, worum es ging. Der Autounfall vor drei Jahren. Alec hatte mir erzählt, dass er am Unfallort sofort bewusstlos gewesen war und erst im Krankenhaus erfahren hatte, dass sie gestorben war. Unbekannt: „Du bist im Krankenhaus aufgewacht und hast erfahren, dass sie tot ist.“ Seine Stimme war ruhig, fast sachlich. Unbekannt: „Ich habe erfahren, dass meine Schwester tot ist, weil ein Fremder mir das am Telefon gesagt hat.“ Mir wurde eiskalt. Schwester. Ich kannte diesen Mann nicht. Aber Alec kannte ihn. Das sah ich jetzt deutlich. Unbekannt: „Du hast weitergelebt, Alec.“ Ein Schritt näher. Unbekannt: „Du hast irgendwann wieder gelacht.“ Noch ein Schritt. Unbekannt: „Du hast irgendwann wieder jemanden geliebt.“ Ich spürte, wie sich meine Finger unbewusst in Alecs Shirt krallten. Unbekannt: „Und dann habe ich angefangen, dich zu beobachten.“ Mein Atem ging flach. Unbekannt: „Ich wusste, dass sie nicht mehr in Melbourne ist.“ Mein Herz stolperte. Unbekannt: „Ich wusste, dass sie jetzt hier in Griechenland ist.“ Ich drückte mich näher an Alec. Unbekannt: „Ich wusste, wer heute Abend alles in diesem Haus ist.“ Meine Kehle war trocken. Ich: „Was willst du?“ Eine kurze Stille entstand. Dann antwortete er ruhig Unbekannt: „Dass du verstehst, wie es ist, jemanden zu verlieren.“

*Sämtliche Bilder wurden mittels KI erstellt und dienen der kreativen Inspiration sowie zur Unterhaltung

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