Drei Wochen waren vergangen, seit die Kathedrale des Lichts in Schutt und Asche gefallen war. Drei Wochen, in denen die Welt da draußen so tat, als wäre ein Gasleck für die Zerstörung verantwortlich gewesen, während in den Schatten die Messer gewetzt wurden. Ich stand auf dem Balkon des Anwesens und sah zu, wie die Sonne hinter den Bergen versank. Mein Inneres war nicht mehr das stürmische Durcheinander von früher. Es war jetzt ein tiefer, ruhiger Ozean aus Macht, der jederzeit bereit war, über die Ufer zu treten. Philipp: „Du starrst schon wieder in die Leere, Jennifer. Suchst du nach ihnen?“ Ich drehte mich nicht um. Ich spürte ihn bereits, bevor er den Raum betrat. Die Brücke in meinem Kopf war so fein abgestimmt, dass ich sogar das leichte Pochen seines Herzens wahrnehmen konnte. Er trat hinter mich und legte seine starken Arme um meine Taille, sein Kinn ruhte auf meiner Schulter. Jennifer: „Sie sind still, Philipp. Zu still. Jayden und Sarah sind nicht der Typ für einen diskreten Rückzug. Sie planen etwas.“ Philipp: „Sollen sie ruhig. Du bist nicht mehr das verängstigte Mädchen aus der Bar. Du hast einen Archon exorziert. Das hat im Himmel für ordentlich Wirbel gesorgt.“ Er küsste meinen Hals, genau dort, wo mein Puls schlug. In diesem Moment trat Alec aus dem Schatten des Zimmers auf den Balkon. Er hielt eine alte, ledergebundene Karte in der Hand. Sein Gesicht war ernst. Alec: „Wir haben ein Problem. Isabel ist gerade aufgewacht.“ Ich versteifte mich. Wir hatten Isabel in einem der sichersten Zimmer des Hauses untergebracht. Sie war körperlich gesund, aber ihr Geist war seit dem Vorfall in der Kathedrale wie in Watte gepackt. Jennifer: „Hat sie etwas gesagt?“ Alec: „Nicht direkt. Sie hat angefangen zu zeichnen. Mit ihrer eigenen Hand. Aber die Symbole… Jennifer, das ist kein menschliches Alphabet. Es ist die Sprache der Ersten.“ Wir eilten in Isabels Zimmer. Sie saß am Boden, umgeben von Dutzenden Blättern Papier. Ihre Augen waren wieder braun, aber sie wirkten seltsam distanziert. Als sie mich sah, zuckte ein kurzes Erkennen über ihr Gesicht, doch es verschwand sofort wieder. Isabel: „Die Waagschalen sind leer, Jen. Wenn das Chaos den Thron besteigt, muss die Ordnung einen Preis fordern. Nicht von dir. Von denjenigen, die dich halten.“ Sie deutete auf Philipp und Alec. Auf dem Papier vor ihr war ein Bild zu sehen: Zwei brennende Flügel, die von einer silbernen Kette umschlungen waren. Jennifer: „Was bedeutet das, Isabel?“ Isabel: „Es bedeutet, dass sie kommen, um die Verräter zu holen. Die Teufel, die es wagten, ein Chaos-Kind zu lieben. Sie werden sie in den Abgrund zerren, wo kein Licht und kein Schatten existiert.“ Plötzlich begann die Luft im Raum zu flimmern. Ein tiefer Groll, wie von einem herannahenden Erdbeben, ließ die Wände erzittern. Philipp: „Sie sind hier. Aber das sind keine Engel.“ Alec: „Nein. Das ist die Inquisition der Unterwelt. Sie kommen, um uns für den Verrat an unserem eigenen Volk zur Rechenschaft zu ziehen.“
Between Devils and Angels – Kapitel 23

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