Die Farben von Lucians Fantasie und die kalte, weiße Löschung des Architekten prallten mit einer Gewalt aufeinander, die den Begriff „Lärm“ sprengte. Es war kein Knall, sondern das Geräusch einer zerberstenden Existenz. Ur-Architekt: „WENN ICH NICHT PERFEKT SEIN KANN… DANN WIRD NICHTS SEIN!“ Der Weiße Raum begann Risse zu bekommen. Aber hinter den Rissen lag nicht das Refugium oder die Hölle, sondern ein gähnendes Nichts. Die Überladung war zu groß. Ich spürte, wie die Verbindung zu meiner Leere-Magie zu glühen begann und dann… einfach riss. Jennifer: „Alec! Philipp! Haltet euch fest!“ Ich griff nach Lucian und zog ihn an meine Brust. Philipp schlang seine Arme um uns beide, während Alec seine ramponierten Obsidian-Flügel ein letztes Mal ausbreitete, um uns alle zu umschließen. Sarah schrie etwas, das im Chaos verloren ging, während sie im weißen Licht verging. Dann geschah das Unvorstellbare: Die Magie in meinen Adern, die mich jahrelang definiert hatte, erlosch. Es war, als würde ein Feuer ausgeblasen. Ich fühlte mich plötzlich schwer, zerbrechlich und entsetzlich menschlich. Wir stürzten. Nicht durch Dimensionen, sondern durch Wolken. Echte, kalte, feuchte Wolken. Alec: (schreit) „Meine Flügel… ich spüre sie nicht mehr!“ Ich sah zu ihm. Die prächtigen Obsidian-Schwingen lösten sich in schwarzen Staub auf. Sein silberner Blick verblasste zu einem tiefen, menschlichen Braun. Philipps goldenes Leuchten erlosch, bis nur noch ein Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht übrig blieb.
AUFPRALL.
Ich öffnete die Augen. Der Geschmack von Salz und nassem Sand lag auf meiner Zunge. Ich hustete und spürte den harten Boden unter mir. Es war kein Basalt, es war grauer Kieselstein. Ich drehte den Kopf. Wir lagen am Strand von Blackwood Cove. Der Nebel hing tief über den Klippen, genau wie in jener Nacht, in der alles begann. Lucian: (neben mir, er zittert) „Mama? Es ist so… leise in meinem Kopf. Das Blau ist weg.“ Ich setzte mich mühsam auf. Neben mir lag Alec. Er trug keine Rüstung mehr, sondern ein zerrissenes, schwarzes Hemd. Er starrte auf seine Hände – die Klauen waren weg, die violetten Adern verschwunden. Er war wieder der Mann, den ich im Club in Limbo City getroffen hatte. Nur ein Mensch. Etwas weiter weg rappelte sich Philipp auf. Er hielt sich die Seite, wo einst seine Engelswunden glühten. Jetzt war dort nur noch eine gewöhnliche Narbe. Philipp: „Wir sind zurück… am Anfang. Ich spüre nichts mehr, Jen. Kein Feuer, keine Inquisition. Nichts.“ Ich sah auf das Meer hinaus. Dort, wo am Himmel der Riss zum Weißen Raum gewesen war, hingen nun nur noch schwere Regenwolken. Die Architekten, die Engel, die Teufel – sie waren alle weg. Wir hatten die Tür hinter uns zugeschlagen, und dabei den Schlüssel in den Abgrund geworfen. Alec: (nimmt meine Hand, seine Haut ist warm und weich, ohne die Kälte des Obsidians) „Wir haben überlebt, Jennifer. Aber wir sind allein.“ Jennifer: „Nicht allein, Alec. Wir haben uns. Und wir haben die Stille endlich verdient.“ In der Ferne sah ich ein einzelnes Licht in einem Haus auf den Klippen. Es war das Haus von Castian, dem Seher. Die Welt drehte sich weiter, ahnungslos, dass sie gerade eben fast gelöscht worden wäre. Wir waren jetzt niemand mehr. Nur eine Frau, zwei Männer und ein kleiner Junge an einem verregneten Strand in Maine. Das größte Abenteuer war vorbei – und das schwierigste, das Leben als normale Menschen, hatte gerade erst begonnen.

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