Castian trat aus dem Schatten der Treppe hervor. Sein blinder Blick war wie immer auf einen Punkt gerichtet, den nur er sehen konnte. Er wirkte gealtert, seine Züge waren tief gezeichnet von den Visionen, die ihn quälten. Castian: „Ihr strahlt so hell, dass es wehtut, Jennifer. Selbst für jemanden, der kein Augenlicht mehr hat. Aber genau diese Helligkeit ist euer Todesurteil.“ Philipp: (tritt einen Schritt vor, seine Augen blitzen bernsteinfarben) „Komm zum Punkt, Castian. Wer ist hinter uns her? Die Engel sind geschlagen, die Architekten sind Schrott.“ Castian: „Ihr unterschätzt die Sterblichen. Sie haben Angst. Und Angst macht kreativ. In den letzten Monaten, während ihr in der Stadt der Architekten gekämpft habt, wurde eine Einheit ins Leben gerufen: Die Neutralisatoren. Sie haben Fragmente der Technologie gefunden, die ihr beim Absturz hinterlassen habt.“ Jennifer: „Was wollen sie? Wir wollen nur in Frieden leben.“ Castian: „Sie wollen euch nicht töten. Sie wollen euch ’neutralisieren‘. Sie haben Frequenzen entwickelt, die eure Verbindung – dieses Band, das euch zusammenhält – als Schwachstelle nutzen. Wenn sie einen von euch isolieren, bricht die Kraft der anderen zusammen.“ In diesem Moment hörten wir ein seltsames, hohes Pfeifen. Es kam von draußen, über dem Meer. Es war kein Hubschrauber. Es war ein tiefes, vibrierendes Summen, das meine Knochen zum Zittern brachte. Alec: (reißt die Fenster des Leuchtturms auf) „Dort! Seht euch das an.“ Drei schwarze Drohnen, völlig lautlos und ohne erkennbare Rotoren, schwebten vor dem Leuchtturm. Sie feuerten keine Raketen ab. Stattdessen begannen sie, ein Netz aus bläulichen Lasern um den Turm zu weben. Jennifer: „Ich spüre es… Alec, Philipp! Das Licht wird schwächer!“ Sobald die blauen Strahlen den Turm berührten, fühlte es sich an, als würde man mir die Luft abschnüren. Das Platinlicht in meinem Inneren flackerte unkontrolliert. Alec sackte auf die Knie, seine Obsidianflügel wurden plötzlich grau und schwer wie Blei. Philipp versuchte, seine Fäuste zu entzünden, doch es kamen nur winzige, rauchige Funken hervor. Philipp: „Diese Bastarde… sie unterdrücken unsere Essenz!“ Castian: „Ihr müsst hier raus! Wenn das Netz sich schließt, werdet ihr wie normale Menschen sein – und dann nehmen sie euch einfach mit.“ Alec: „Wir können uns nicht trennen. Wir müssen als Einheit durchbrechen. Jen, nimm meine Hand. Philipp, auf die andere Seite!“ Wir bildeten eine Kette. Ich spürte, wie der Schmerz zunahm, je enger die Drohnen den Kreis zogen. Es war, als würden sie versuchen, unsere Seelen auseinanderzureißen. Jennifer: „Lucian! Halt dich an Alec fest!“ Ich konzentrierte mich auf das einzige Gefühl, das die Neutralisatoren nicht berechnen konnten: unsere Wut über diese Gefangenschaft. Das Platinlicht reagierte. Es wurde nicht heller, sondern dichter. Es verwandelte sich von einer schimmernden Aura in einen harten, metallischen Schutzschild. Jennifer: „Wir fliegen nicht weg. Wir brechen hindurch!“
Between Devils and Angels – Kapitel 101

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