Wir stiegen tiefer in den Schlund der Stille hinab. Der Nebel wurde so dicht, dass ich Philipps Hand in meiner kaum noch sehen konnte. Doch dann riss die Wolkendecke plötzlich auf. Vor uns lag er: der Ursprung. Es war kein Tempel und kein Altar. Es war ein riesiger, kreisrunder See, dessen Wasser so klar wie Kristall war, aber silbern schimmerte. Er leuchtete aus sich selbst heraus. Das Ufer bestand aus schwarzem Glas, und die Stille hier war so absolut, dass man das Ticken des Schicksals fast hören konnte. Philipp: „Das ist er. Der Ort, an dem Licht und Schatten zum ersten Mal aufeinanderprallten.“ Alec: „Ich spüre es. Meine Magie… sie verneigt sich vor diesem Ort.“ In der Mitte des Sees erhob sich eine kleine Insel mit einer einzigen, weißen Säule. Martha hatte recht: Hier wurde die erste Träne vergossen, als die Welt geteilt wurde. Ich spürte, wie der Kristall in meiner Brust wild gegen meine Rippen schlug. Er wollte nach Hause. Jennifer: „Ich muss da rein, oder? In das Wasser.“ Philipp: (packt meine Hand fester) „Jennifer, wenn du dort eintauchst, wirst du dich verändern. Du wirst keine gewöhnliche Frau mehr sein. Du wirst die Königin der Leere. Bist du sicher, dass du diesen Preis zahlen willst?“ Ich sah ihn an, dann sah ich zu Alec. Ich sah die Schnitte und Wunden auf ihrer Haut, die sie für mich davongetragen hatten. Jennifer: „Ich zahle jeden Preis, wenn es bedeutet, dass wir frei sein können.“ Ich löste meine Hand von Philipp und begann, meine zerschlissenen Kleider abzulegen. Nackt und verletzlich stand ich am Ufer des silbernen Sees. Der Wind strich kühl über meine Haut, aber in mir brannte ein Feuer. Ich schritt ins Wasser. Es war nicht kalt. Es fühlte sich an wie flüssiges Licht. Mit jedem Schritt, den ich tiefer hineinging, begannen meine blauen Adern heller zu leuchten. Als das Wasser meine Brust erreichte, blieb ich stehen und sah ein letztes Mal zum Ufer zurück. Alec: „Wir sind hier, Jennifer! Wir gehen nirgendwohin!“ Ich nickte und tauchte unter. Unter Wasser gab es kein Ersticken. Das silberne Nass füllte meine Lungen, aber es brachte keinen Tod, sondern Wissen. Ich sah die Geschichte der Welt. Ich sah, wie mein Vater und meine Mutter sich liebten und wie dieser Krieg alles zerstörte. Ich spürte, wie der Kristall in mir zersprang und sich mit jeder Zelle meines Körpers verband. Ich war nicht mehr Jennifer, das Mädchen aus der Kneipe. Ich war die Leere zwischen den Sternen. Plötzlich spürte ich eine gewaltige Erschütterung. Sogar unter Wasser hörte ich das metallische Dröhnen von tausend Stiefeln auf dem Glasufer. Valerius: (seine Stimme hallte über den See) „Teufel! Tretet beiseite! Das Ritual hat begonnen, und ich werde die Ernte einfahren!“ Ich öffnete unter Wasser die Augen. Sie waren nun vollkommen blau, ohne Weiß, ohne Pupillen. Ich war bereit.
Between Devils and Angels – Kapitel 55

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