Die Wärme der Decken und die schwere, wohlige Erschöpfung in meinen Gliedern ließen mich für einen Moment glauben, ich hätte mir das Geräusch nur eingebildet. Doch dann erklang es wieder: Das Kratzen einer Nadel auf einer alten Schallplatte, gefolgt von einem leisen Rauschen. Und dann begann die Melodie. Es war keine orchestrale Aufnahme. Es war ein einsames, melancholisches Klavier, genau die Töne, die Alec damals in Limbo City für mich gespielt hatte. Die Musik hallte durch das Treppenhaus hinauf in unser Zimmer, dünn und zerbrechlich, als käme sie aus einer anderen Zeit. Jennifer: (ich setzte mich ruckartig auf, die Laken glitten an meiner Haut herab) „Hört ihr das?“ Alec und Philipp waren sofort hellwach. Ihre entspannten Mienen verwandelten sich augenblicklich in die Gesichter von Jägern. Alec griff nach seiner Hose, während Philipp bereits am Fußende des Bettes stand, seine Augen leuchteten im Dunkeln wie zwei bernsteinfarbene Warnlichter. Philipp: „Das Grammophon im Salon. Ich habe es gestern gesehen, es war völlig verrostet. Das Ding dürfte keinen Ton mehr von sich geben.“ Alec: „Bleib hinter uns, Jen.“ Wir stiegen die knarrende Treppe hinunter. Das Platinlicht in uns pulsierte im Rhythmus der Musik, ein sanftes Flirren unter der Haut. Unten im Salon brannte kein Licht, nur der fahle Mondschein drang durch die Ritzen der vernagelten Fenster. In der Ecke des Raumes drehte sich der goldene Trichter des Grammophons. Die Nadel tanzte über eine schwarze Scheibe, die so glatt und glänzend war, als wäre sie gerade erst gepresst worden. Es war niemand im Raum. Nur die Musik, die jetzt lauter wurde.
„…where the shadows meet the shore…“
Plötzlich begann das Platinlicht aus unseren Körpern zu fließen, ohne dass wir es kontrollierten. Es strömte wie feiner Nebel zum Grammophon und hüllte es ein. Die Musik verlangsamte sich, wurde tiefer, bis die Töne sich in Worte verwandelten, die direkt in unseren Köpfen erklangen. Stimme des Grammophons: „Die Triade ist vollständig. Der Zyklus hat sich geschlossen. Jennifer, Alec, Philipp… die Wächter sind zurückgekehrt, um das zu beenden, was vor hundert Jahren unterbrochen wurde.“ Jennifer: „Wer spricht da? Zeig dich!“ Das Licht zog sich zusammen und formte über dem Grammophon eine kleine, schimmernde Gestalt. Es war kein Mensch, sondern eine Projektion aus purer Energie – eine Frau, die mir verblüffend ähnlich sah, aber sie trug eine Rüstung aus Obsidian und Gold. Die Projektion: „Ich bin das Echo dessen, was ihr wart. Das Haus ist kein Versteck, es ist eine Batterie. Es speichert eure Erinnerungen, damit ihr wisst, wie ihr die Neutralisatoren wirklich besiegen könnt. Sie nutzen keine Technik, Jennifer. Sie nutzen die Magie, die ihr in eurem letzten Leben zurückgelassen habt.“ Alec: (tritt vor, seine Hand liegt fest auf meinem Rücken) „Was meinst du mit ‚zurückgelassen‘? Wir haben alles verloren, als wir damals starben.“ Die Projektion: „Ihr seid nicht gestorben. Ihr habt euch aufgeteilt, um die Leere zu versiegeln. Das Platinlicht ist der Schlüssel zum Tresor unter diesem Haus. Dort liegt das, was ihr braucht, um die Welt nicht nur zu beschützen, sondern sie zu heilen.“ Das Grammophon verstummte mit einem lauten Knacken. Die Projektion verblasste, aber ein Teil des Bodens in der Mitte des Salons begann zu leuchten. Die Dielen verschoben sich und gaben eine steinerne Treppe frei, die steil in die Dunkelheit unter das Fundament führte.

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