Ein Jahr war vergangen, seit ich meinen Vater entmachtet und den Thron der Leere bestiegen hatte. Der Palast am silbernen See war zu einem Symbol für alle geworden, die zwischen den Welten gefangen waren. Philipp hatte eine Garde aus ehemaligen Teufeln und Engeln aufgebaut, die den Frieden bewachten, während Alec sich um die Spionage und das Wissen der alten Welt kümmerte. Und ich? Ich war schwanger. Das Band zwischen uns dreien hatte nicht nur unsere Seelen vereint, sondern etwas völlig Neues erschaffen. Ein Kind, das weder Licht noch Schatten war, sondern etwas, das die Welt noch nie gesehen hatte. Doch in dieser Nacht war die Stille im Palast trügerisch. Ich stand auf dem Balkon und blickte über den See, als ich es spürte. Ein kalter, stechender Schmerz in meiner Brust – genau dort, wo früher der Kristall gesessen hatte. Es war kein körperlicher Schmerz, sondern ein Alarm. Jennifer: „Alec? Philipp? Seid ihr wach?“ Alec löste sich sofort aus dem Schatten der Türsäule. Er wirkte besorgter als sonst. „Ich spüre es auch, Jen. Die Grenzen der Realität… sie vibrieren. Etwas versucht, von der anderen Seite durchzubrechen.“ Philipp trat aus dem Schlafzimmer, er legte seine Hand schützend auf meinen Bauch. „Die Barrieren, die du am Ursprung errichtet hast, halten stand. Aber im Ödland… dort ist etwas aufgerissen.“ Plötzlich ertönte ein Schrei, der nicht von dieser Welt war. Er klang wie zersplitterndes Metall. Am Horizont, weit hinter den Grenzen unseres Reiches, riss der Himmel auf. Es war kein blaues Licht und kein weißes Feuer. Es war ein tiefes, schmutziges Violett. Alec: „Das sind nicht die Inquisitoren. Und das sind keine Dämonen aus der Tiefe.“ Aus dem Riss am Himmel fielen Gestalten herab. Sie sahen aus wie Ritter, aber ihre Rüstungen bestanden aus Glas und sie hatten keine Gesichter – nur leere, spiegelnde Flächen. Wo sie den Boden berührten, wurde alles zu Glas. Das Leben, der Staub, sogar die Luft schien zu gefrieren. Philipp: „Die ‚Architekten der Ordnung‘. Man sagte, sie hätten die Welt vor den Engeln und Teufeln erschaffen und wären längst vergangen.“ Jennifer: „Sie kommen wegen dem Baby, oder?“ Ein Bote der Garde stürmte auf den Balkon, er war völlig außer Atem. „Herrin! Die gläsernen Krieger… sie sprechen nicht! Sie verwandeln alles in Statuen! Und sie rufen nach dem ‚Gefäß‘.“
Between Devils and Angels – Kapitel 59

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