Die Realität um uns herum zerfaserte. Ganze Häuserblöcke aus weißem Licht lösten sich auf und stürzten in den unendlichen Abgrund unter der Stadt der Architekten. Der Ur-Architekt versuchte in seinem Todeskampf, uns mit sich in das Nichts zu ziehen. Philipp: „Es gibt keinen Ausgang! Die Portale sind alle verriegelt!“ Er stand am Abgrund der Plattform, seine Arme weit ausgebreitet, während er die herabstürzenden Trümmer mit seinem Feuer abwehrte. Sein Gesicht war rußgeschwärzt, und der Schweiß rann ihm über die Schläfe. Er sah zu mir und Alec, die wir Lucian in der Mitte hielten. Philipp: „Hört mir zu. Ich kann einen Riss schlagen. Aber es braucht alles, was ich bin. Mein ganzes Feuer, meine ganze Essenz als Teufel.“ Jennifer: „Nein, Philipp! Das wirst du nicht überleben! Wir finden einen anderen Weg!“ Philipp: (er sah mich an, und in seinem Blick lag diese tiefe, brennende Liebe, die ich so gut kannte) „Jen, Alec… ihr müsst Lucian nach Hause bringen. Er braucht eine Welt, die nicht aus Glas ist.“ Bevor Alec oder ich ihn aufhalten konnten, trat Philipp einen Schritt vor. Er schrie auf, ein markerschütterndes Brüllen, das die kalte Logik der Stadt endgültig zerriss. Sein Körper begann so hell zu leuchten wie eine sterbende Sonne. Er kanalisierte nicht nur sein Feuer, sondern sein gesamtes Leben in einen einzigen Punkt. Ein gleißender, goldener Riss öffnete sich vor uns – ein Portal direkt zum Strand von Blackwood Cove. Alec: „Philipp, komm mit! Jetzt!“ Doch Philipp sackte in sich zusammen. Sein Glühen erlosch, seine Augen wurden matt, und er drohte über die Kante der Plattform in die Tiefe zu stürzen. Ohne zu zögern, stieß Alec mich und Lucian in Richtung des Portals. Alec: „Geh, Jen! Ich hol ihn uns zurück!“ Alec schoss nach vorne, seine Obsidianflügel klirrten, als er Philipp am Kragen packte, nur Millisekunden bevor dieser in den Abgrund fiel. Mit einem gewaltigen Kraftaufwand warf Alec den bewusstlosen Philipp durch das Portal zu mir. Dann, als die Plattform unter seinen Füßen endgültig zerbrach, stürzte Alec hinterher. Wir schlugen hart auf dem nassen Sand von Blackwood Cove auf. Der Regen von Maine peitschte uns ins Gesicht, aber es war das schönste Gefühl der Welt. Das Portal hinter uns schrumpfte und erlosch mit einem leisen Zischen. Die Stadt der Architekten war weg. Ich rappelte mich auf und kroch zu Philipp. Er lag völlig still da. Sein Körper war eiskalt, kein Funken Feuer war mehr in ihm zu spüren. Alec kniete auf der anderen Seite von ihm, seine Flügel hingen schlaff und beschädigt herab. Alec: (seine Stimme zitterte) „Er ist leer, Jen. Er hat alles gegeben.“ Ich legte meine Hand auf Philipps Brust und die andere auf Alecs Hand. Ich schloss die Augen. Wir waren eine Triade. Was dem einen fehlte, musste der andere geben. Jennifer: „Ich lasse ihn nicht gehen. Alec, hilf mir. Gib ihm einen Teil deiner Kraft. Ich leite sie durch mich hindurch.“ Es war ein riskanter Moment voller Intimität. Wir bildeten einen Kreis aus Fleisch und Geist. Ich spürte Alecs dunkle, kühle Obsidian-Energie auf der einen Seite und versuchte, sie in Philipps kaltes Herz zu pumpen. Es war ein verzweifelter Austausch von Leben und Liebe. Minutenlang passierte nichts, außer dem Rauschen der Wellen. Dann plötzlich: Ein schwaches Pochen unter meinen Fingern. Philipp hustete und seine Augen flatterten auf. Sie brannten nicht mehr wie Sonnen, sie waren jetzt ein sanftes, menschliches Bernstein. Philipp: (krächzend) „Habt… habt ihr mich gerade wirklich mit einem Gruppengruß zurückgeholt? Wie peinlich…“ Alec lachte heiser auf und drückte Philipps Schulter, während er mich gleichzeitig näher an sich zog. Wir saßen dort im Regen, erschöpft, kraftlos, aber zusammen. Alec: „Willkommen zurück, Bruder. Wir sind noch nicht fertig miteinander.“
Between Devils and Angels – Kapitel 98

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