Wir setzten uns sofort an den Laptop, während die Jungs sich wie eine Schutzmauer um uns gruppierten. Luca hatte bereits einen befreundeten IT-Experten der Plattenfirma am Telefon, der uns per Fernzugriff anleitete. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als ich meine alten Zugangsdaten in das Portal der Kanzlei eingab. Ich: „Ich bin drin. Gott, es fühlt sich seltsam an, diese Oberfläche wieder zu sehen. Als wäre ich nie weg gewesen.“ Luca: „Konzentrier dich, Elena. Such nach dem Protokoll der Mandantenakte ‚Miller & Sons‘. Das war das große Projekt, von dem Chris behauptet hat, du hättest die Strategiepapiere gestohlen.“ Meine Finger zitterten, während ich durch die digitalen Ordner navigierte. Alec stand direkt hinter mir, seine Hände ruhten schwer und beruhigend auf meinen Schultern. Alec: „Ganz ruhig. Wir finden das. Er ist nicht so schlau, wie er denkt.“ Nach einigen Minuten öffnete sich das detaillierte Zugriffsprotokoll. Eine lange Liste von Zeitstempeln und Benutzer-IDs erschien auf dem Bildschirm. Ich scrollte nach unten zu dem Datum, an dem ich offiziell gekündigt hatte. Ich: „Hier! Schau mal, Luca. An meinem letzten Tag habe ich die Akte um 14:00 Uhr geschlossen und ordnungsgemäß an die Archiv-ID übergeben. Das war mein letzter Zugriff.“ Luca: „Und jetzt schau weiter unten. Was ist das für ein Eintrag drei Tage später?“ Wir starrten alle auf den Bildschirm. Drei Tage nach meiner Kündigung – zu einem Zeitpunkt, als ich bereits auf dem Weg nach Griechenland war – wurde die Akte erneut aufgerufen. Und zwar mit der Benutzer-ID von Chris persönlich. Taylor: „Warte mal… er hat die Daten aufgerufen, nachdem du weg warst? Und was hat er dann gemacht?“ Ich klickte auf die Details des Eintrags. Mein Atem stockte. Ich: „Er hat sie nicht nur aufgerufen. Er hat die Berechtigungen geändert und die Originaldateien in einen privaten, verschlüsselten Cloud-Ordner verschoben, auf den nur er Zugriff hat. Im Hauptsystem sieht es jetzt so aus, als wären die Dateien gelöscht worden.“ Alec: „Er hat sie selbst versteckt! Er hat die Beweise manipuliert, um den Diebstahl vorzutäuschen. Dieser Kerl ist absolut wahnsinnig.“ Luca: „Das ist kein Diebstahl mehr, das ist versuchter Betrug und Rufmord. Elena, mach Screenshots von allem. Wir brauchen die Zeitstempel, die IP-Adressen und vor allem seine digitale Signatur unter der Verschiebung.“ Während ich die Beweise sicherte, griff Luca bereits wieder zum Telefon. Sein Blick war nun eiskalt und siegessicher. Luca: „Ich rufe jetzt die Chefredaktion dieser Klatschzeitung an. Wir werden ihnen nicht nur ein Dementi schicken. Wir schicken ihnen die digitalen Log-Files, die beweisen, dass ihr ‚Insider‘ die Dokumente selbst unterschlagen hat. Wenn sie den Artikel nicht innerhalb der nächsten zehn Minuten löschen und eine Gegendarstellung bringen, verklagen wir sie und Chris bis in die Steinzeit.“ Alec zog mich vom Stuhl hoch und schlang seine Arme fest um mich. Ich spürte, wie die gewaltige Last der letzten Stunden von mir abfiel. Alec: „Wir haben ihn, Elena. Er wollte dein neues Leben zerstören, aber er hat gerade seine eigene Karriere beendet.“ Ich: „Ich kann es kaum glauben… er war sich so sicher, dass ich mich nicht wehren kann.“ Alec: „Er hat vergessen, dass du nicht mehr allein bist. Und er hat vergessen, dass eine Journalistin niemals aufhört zu graben, bis sie die Wahrheit hat.“
Thorned – Kapitel 102

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