Wir saßen gerade im Wagen auf dem Rückweg von Alecs Eltern, die Stimmung war gelöst und friedlich, als mein Handy auf dem Armaturenbrett hell aufleuchtete. Ich erwartete eine Nachricht von Isabel oder einen Kommentar zu meinem Blog, doch als ich das Display entsperrte, gefror mir das Lächeln im Gesicht. Es war eine private Nachricht auf meinem beruflichen Netzwerk-Account. Absender: Chris. Alec: „Was ist los? Du siehst aus, als hättest du eine Schlange gesehen.“ Ich zögerte kurz, reichte ihm dann aber schweigend das Handy. Alec überflog die Zeilen, und ich sah, wie seine Kiefermuskeln hervortraten. Chris (Nachricht): „Nettes Märchen, das du da in deinem Blog verbreitest, Elena. ‚Authentizität‘ verkauft sich gut, was? Aber wir beide wissen, dass du in deiner Zeit in meiner Kanzlei Zugang zu vertraulichen Mandantendaten hattest. Ein paar dieser Akten sind seit deinem überstürzten Abgang unauffindbar. Wenn du weiterhin versuchst, dich als die moralische Instanz der Nation aufzuspielen, werde ich eine offizielle Anzeige wegen Diebstahls und Geheimnisverrats erstatten. Überleg dir gut, ob dein Rockstar-Freund diesen Skandal auch noch weglächeln kann.“ Alec: „Dieser verdammte Bastard! Er versucht es jetzt mit Erpressung? Er weiß genau, dass er gegen Lucas Unterlassungserklärung nicht ankommt, also konstruiert er eine Straftat.“ Ich: „Alec, ich habe niemals irgendwelche Akten mitgenommen. Das ist völlig absurd! Ich habe alles ordnungsgemäß übergeben. Aber er weiß, dass allein die Behauptung reicht, um meinen Ruf als Journalistin zu zerstören, bevor ich überhaupt richtig angefangen habe.“ Alec: „Er unterschätzt uns, Elena. Er denkt, er kann dich einschüchtern, weil er dich früher kontrolliert hat. Aber das hier ist nicht mehr sein Büro.“ Alec schlug mit der flachen Hand gegen das Lenkrad, fing sich dann aber sofort wieder. Er griff nach seinem eigenen Handy und wählte eine Nummer, während er den Wagen an den Straßenrand steuerte. Alec: „Luca? Ja, ich bin’s. Chris hat gerade die nächste Grenze überschritten. Er droht Elena mit einer Anzeige wegen Diebstahls von Kanzleiunterlagen. Ja, völlig erfunden… Hör mir zu: Ich will nicht mehr nur Anwaltsschreiben. Ich will, dass wir seine IT-Protokolle anfordern lassen. Elena hat mir erzählt, dass dort alles digital geloggt wird. Wenn er lügt, ziehen wir ihn komplett aus dem Verkehr.“ Er legte auf und sah mich fest an. Seine Augen brannten vor Entschlossenheit. Alec: „Wir werden nicht defensiv reagieren, Elena. Wir gehen in die Offensive. Er glaubt, er kann dein neues Leben ruinieren, aber er hat vergessen, dass wir jetzt die Bühne kontrollieren – und die Wahrheit auf unserer Seite haben.“ Ich: „Ich habe Angst, dass er es trotzdem versucht. Wenn die Presse das aufschnappt…“ Alec: „Dann werden sie die Geschichte eines frustrierten Ex-Chefs lesen, der eine erfolgreiche Frau zerstören will, weil er mit ihrer Freiheit nicht klarkommt. Ich lass dich da nicht allein durch, Elena. Keinen Zentimeter.“
Thorned – Kapitel 101

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