Ich drückte auf „Veröffentlichen“. Einen Moment lang starrte ich nur auf den Ladebalken, während mein Herzschlag das Ticken der Uhr im Hotelzimmer übertönte. Dann war der Artikel online. Ich: „Es ist draußen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.“ Alec, der mit einer Tasse Kaffee am Fenster stand, kam sofort zu mir und legte mir eine Hand auf die Schulter. Wir beobachteten gemeinsam, wie die ersten Klicks eintrudelten. Zuerst waren es nur eine Handvoll, dann Dutzende, und nach zehn Minuten schossen die Zahlen in die Tausende. Alec: „Schau dir die Kommentarspalte an, Elena. Es geht los.“ Ich scrollte mit zittrigen Fingern nach unten. Ich hatte mit Gegenwind gerechnet, mit mehr Leuten wie Mia, die mich als „Eindringling“ beschimpften. Doch was ich sah, war völlig anders. Ich: „‚Endlich sagt es mal jemand. Danke, Elena, für diese Ehrlichkeit.‘ Schau mal, Alec, hier schreibt jemand: ‚Ich liebe die Band, aber wir müssen lernen, dass sie auch nur Menschen mit einem Privatleben sind. Respekt für diesen Mut.‘“ Alec: „Hier ist noch einer: ‚Das ist der ehrlichste Einblick in das Tour-Leben, den ich je gelesen habe. Weg mit dem PR-Gelaber.‘ Wahnsinn, Elena. Du hast einen Nerv getroffen.“ Das Telefon auf dem Nachttisch schrillte plötzlich los. Es war Isabel. Isabel: „Elena! Hast du gesehen, was passiert? Dein Artikel wird gerade auf Twitter und Instagram geteilt wie verrückt. Sogar große Musikportale verlinken darauf. Du hast eine Debatte über ‚Parasoziale Beziehungen‘ ausgelöst, von der die Branche seit Jahren die Finger lässt!“ Jack: (im Hintergrund bei Isabel zu hören) „Sie ist eine Legende! Sag ihr, sie soll weitermachen! Die Klicks auf unserer offiziellen Seite gehen auch hoch, weil alle wissen wollen, wer die Frau ist, die so klare Worte findet!“ Doch nicht alle Reaktionen waren rein positiv. Zwischen den Wellen der Unterstützung gab es auch die dunklen Ecken des Internets. Ich: „Hier… schau mal, Alec. ‚Sie will sich nur wichtig machen. Sie zerstört die Magie der Band.‘ Es gibt immer noch Leute, die glauben, ich würde ihnen ihr Spielzeug wegnehmen.“ Alec: „Lass sie reden, Elena. Für jeden von denen gibt es hundert andere, denen du heute die Augen geöffnet hast. Du hast nicht nur über mich geschrieben, sondern für alle, die in diesem Zirkus leben. Ich bin verdammt stolz auf dich.“ In diesem Moment klopfte es heftig an der Tür. Es war nicht das freundliche Klopfen der Jungs. Es war Luca. Er sah aus, als hätte er gerade einen Marathon hinter sich – oder als hätte er die letzten dreißig Minuten nur am Telefon gehangen. Luca: „Elena, Alec… wir müssen reden. Das Handy der Plattenfirma steht nicht mehr still. Ihr habt da gerade eine Lawine losgetreten, die ich so nicht auf dem Plan hatte.“
Thorned – Kapitel 98

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