Luca stürmte ins Zimmer, sein Gesicht eine Mischung aus Stress und ungläubiger Faszination. Er hielt sein Smartphone hoch, als wäre es eine tickende Zeitbombe. Luca: „Elena, hast du eine Vorstellung davon, was du da getan hast? Das Label in Sydney ist in Panik. Die Marketing-Abteilung dreht durch, weil wir plötzlich über ‚toxische Fan-Kultur‘ diskutieren, anstatt die romantische ‚Rockstar-trifft-Mädchen‘-Story zu verkaufen! Wir müssen den Artikel offline nehmen, oder zumindest die Kommentarfunktion sperren, bevor das Ganze eskaliert.“ Ich wollte gerade ansetzen, um meine journalistische Integrität zu verteidigen, doch Alec kam mir zuvor. Er tat einen langsamen, entschlossenen Schritt auf Luca zu. Sein Blick war so scharf wie eine frisch geschliffene Saite, und seine Stimme war ruhig, aber von einer Autorität, die keinen Widerspruch duldete. Alec: „Luca, nimm die Hand vom Telefon. Der Artikel bleibt genau da, wo er ist.“ Luca: „Alec, versteh doch, wir haben eine Marke zu schützen! Wenn wir die Hardcore-Fans verärgern, gefährden wir die Ticketverkäufe für die nächsten Shows…“ Alec: „Scheiß auf die Marke, Luca. Elena hat die Wahrheit geschrieben. Eine Wahrheit, die ich seit Jahren fühle, für die mir aber die Worte gefehlt haben. Wenn das Label ein Problem damit hat, dass wir unsere Fans wie erwachsene Menschen behandeln, die die Realität vertragen können, dann ist das deren Problem, nicht unseres.“ Taylor: (der gerade mit James im Türrahmen aufgetaucht war) „Er hat recht, Luca. Wir sind keine Boyband aus den Neunzigern, die so tun muss, als wären wir alle Single und für jeden zu haben. Elenas Artikel gibt uns unsere Würde zurück.“ James: „Genau. Und schau dir die Zahlen an, Luca. Die Leute respektieren uns jetzt mehr, nicht weniger. Sie sehen, dass wir echte Menschen sind, keine Poster an der Wand.“ Luca sah von Alec zu Taylor und schließlich zu mir. Er merkte, dass er hier gegen eine geschlossene Front ankämpfte. Alec legte mir schützend den Arm um die Schulter und sah Luca fest in die Augen. Alec: „Elena ist nicht hier, um dein PR-Puppenspiel mitzuspielen. Sie ist Journalistin. Und solange sie an meiner Seite ist, wird sie schreiben, was sie für richtig hält. Wenn das Label Druck macht, sag ihnen, sie sollen mich anrufen. Ich werde ihnen erklären, dass die Tour nur weitergeht, wenn Elena ihre Stimme behält.“ Luca atmete schwer aus und rieb sich die Schläfen. Man konnte förmlich sehen, wie er innerlich seine Strategie änderte. Luca: „Okay… okay. Wenn ihr euch alle so einig seid. Ich werde dem Label sagen, dass das Teil unserer neuen ‚Authentizitäts-Strategie‘ ist. Aber Elena, bereite dich darauf vor: Die Presse wird dich bei der nächsten Show belagern. Du bist jetzt nicht mehr nur die Freundin – du bist die Frau, die es gewagt hat, den Fans den Spiegel vorzuhalten.“ Ich: „Damit kann ich umgehen, Luca. Solange ich weiß, dass Alec hinter mir steht.“ Alec: „Immer, Elena. Hinter dir, neben dir – egal was kommt.“
Thorned – Kapitel 99

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