Der Van war angenehm kühl, während wir uns langsam durch den dichten Verkehr von St. Kilda zurück in Richtung Innenstadt schoben. Im hinteren Teil des Wagens herrschte ungewohnte Stille; Jack starrte aus dem Fenster, und Taylor trommelte abwesend einen Rhythmus auf seine Knie. Alec hielt meine Hand immer noch fest umschlossen, seinen Blick starr auf unsere verschränkten Finger gerichtet.
Alec: „Ich hasse es, wenn so etwas passiert. Es gibt Momente, da fühle ich mich schuldig, dass ich dich in diesen Wahnsinn hineingezogen habe. Mia ist kein Einzelfall, Elena. Es gibt Leute, die Grenzen nicht mehr sehen.“
Ich: „Du musst dich nicht schuldig fühlen, Alec. Aber es hat mich zum Nachdenken gebracht. Sie hat mich angesehen, als wäre ich ein Hindernis – ein Objekt, das zwischen ihr und einer Illusion steht.“
Ich zog mein Tablet aus der Tasche. Die Worte begannen bereits in meinem Kopf zu rotieren. Der Journalistin in mir brannte es unter den Nägeln, dieses seltsame, beklemmende Gefühl in Worte zu fassen.
Isabel: „Was machst du da, Elena? Schreibst du schon wieder?“
Ich: „Ja. Ich glaube, das ist der wichtigste Artikel, den ich bisher geschrieben habe. Es geht nicht um die Setlist oder wie toll die Lichter waren. Es geht um den Preis, den man zahlt, wenn man geliebt wird, ohne gekannt zu werden.“
Taylor: „Ein Artikel über die Schattenseiten? Mutig. Die meisten PR-Leute würden uns sagen, wir sollen das totschweigen, um die Fans nicht zu vergraulen.“
Ich: „Aber Mia ist kein normaler Fan, Taylor. Sie ist ein Symptom für etwas, das wir oft ignorieren. Ich möchte darüber schreiben, wie es sich anfühlt, die Zielscheibe für die Sehnsüchte Fremder zu sein – und wie wichtig es ist, dass wir uns unsere Realität bewahren.“
Alec lehnte seinen Kopf an meinen und beobachtete, wie meine Finger über den Bildschirm flogen.
Alec: „Lies mir den Anfang vor.“
Ich atmete tief durch und begann leise zu lesen, während der Van über die Brücke in Richtung Skyline rollte:
„Gestern Nacht standen wir im Licht von tausend Scheinwerfern, und es fühlte sich an wie die Wahrheit. Heute Nachmittag, im hellen Sonnenlicht am Strand, traf ich auf eine andere Wahrheit. Den Ruhm. Er ist wie ein Zerrspiegel. Er lässt Menschen glauben, sie besäßen ein Stück von deiner Seele, nur weil sie deine Lieder mitsingen. Doch was passiert mit denen, die wirklich an der Seite des Künstlers stehen? Wir werden zu Schattenfiguren in den Fantasien Fremder…“
Alec: „Harter Tobak, Elena. Aber es ist die Wahrheit. Genau das ist der Grund, warum ich dich wollte – weil du die Dinge so siehst, wie sie sind, und nicht, wie das Label sie gerne hätte.“
Jack: „Ich glaube, das wird im Netz einschlagen wie eine Bombe. Es gibt tausende Freundinnen von Musikern, die genau das Gleiche fühlen, aber sich nie getraut haben, es laut zu sagen.“
Ich tippte weiter, beflügelt von der Unterstützung der Jungs. Die Begegnung mit Mia hatte mich nicht eingeschüchtert; sie hatte mir eine Mission gegeben. Ich war nicht mehr nur die Frau auf der Bühne – ich war die Stimme, die die Fassade der Glitzerwelt ein Stück weit einriss.

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