Die Fahrt zur Qudos Bank Arena dauerte nur wenige Minuten, doch die schiere Größe des Gebäudes nahm mir fast den Atem, als wir durch den Künstlereingang fuhren. Im Inneren war es kühl und roch nach frischem Holz und Elektrizität. Das leise Summen der Verstärker lag bereits wie ein Versprechen in der Luft.
Während die Techniker noch letzte Kabel verlegten, sprangen die Jungs auf die Bühne. Alec hängte sich seine schwarze Fender um und schlug einen einzigen Akkord an, der durch die leere, gewaltige Halle hallte wie ein Donnerschlag.
Alec: „Der Sound hier ist unglaublich… Luca, gib mir mehr Hall auf den Monitor! Ich will das Gefühl haben, dass die Stimme bis in die letzte Reihe trägt.“
Jack: „Test, eins, zwei!“, rief Jack und hämmerte ein kurzes, donnerndes Solo auf sein Schlagzeug. Das Echo war perfekt. „Sydney wird uns lieben, Leute!“
Ich setzte mich an den Rand der Bühne, die Beine baumelnd, und beobachtete sie. Es war faszinierend zu sehen, wie aus den albernen Jungs im Tourbus in Sekunden hochkonzentrierte Profis wurden. Doch dann gab Alec James ein Zeichen.
Alec: „Okay, Jungs. Gehen wir den neuen Teil von ‚The Horizon‘ durch. Den, den wir heute Abend als Zugabe spielen. Elena, hör gut zu – das hier ist der Teil, den wir im Bus für dich geschrieben haben.“
James begann mit einer melancholischen, aber kraftvollen Melodie auf der Akustikgitarre. Dann setzte Taylor mit einem Basslauf ein, der so tief war, dass ich ihn in meiner Brust spüren konnte. Als Alec anfing zu singen, war seine Stimme nicht mehr rau und fordernd, sondern klar und voller Hoffnung.
Alec (singend): „No more shadows in the rearview mirror, the sky is wide and the path is clearer…“
Ich spürte, wie mir eine Gänsehaut über die Arme lief. Er sang nicht nur über eine Reise, er sang über unsere letzten Tage. Über den Sieg gegen die Lügen und den Mut, neu anzufangen.
Taylor: „Warte mal, James, spiel den Übergang zum Refrain noch mal ein bisschen sanfter. Wir wollen, dass Elenas Textstelle da richtig rauskommt.“
Ich: „Meine Textstelle?“
Alec: (grinsend) „Ja, wir haben ein paar Zeilen aus deinem Blog-Post von heute Nacht eingebaut. Die Stelle über die ‚Wahrheit im Scheinwerferlicht‘. Wir dachten, es passt perfekt zum Refrain.“
James: „Sieht so aus, als wärst du jetzt nicht nur unsere Chronistin, sondern auch unsere Songwriterin, Elena.“
Ich war sprachlos. Zu sehen, wie meine eigenen Worte, die ich in einer Nacht voller Zweifel geschrieben hatte, nun Teil ihrer Musik wurden, war das größte Kompliment, das sie mir machen konnten.
Isabel: (die mit zwei Kaffeebechern neben mir auftauchte) „Tja, Elena. Ich glaube, ab heute Abend bist du offiziell unsterblich in der Fan-Geschichte von Sydney. Wie fühlt es sich an, eine Muse zu sein?“
Ich: „Es fühlt sich an, als wäre ich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
Alec zwinkerte mir von seinem Mikrofonständer aus zu und gab den Takt für den nächsten Durchgang vor. In dieser leeren Arena, umgeben von meinen engsten Freunden, fühlte sich der kommende Auftritt nicht mehr wie Arbeit an, sondern wie eine Feier dessen, was wir gemeinsam erreicht hatten.

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