Das Picknick auf der kleinen Insel war wie ein Sprung zurück in eine Zeit, in der meine Welt noch in Ordnung gewesen war, bevor die Lügen meines Onkels alles in Schutt und Asche gelegt hatten. Während mein Vater und Isabel am Ufer versuchten, aus ein paar trockenen Ästen ein kleines Feuer zu entfachen, zog mich meine Mutter Jennifer ein Stück beiseite, um mit mir am Rand der Klippen spazieren zu gehen, von wo aus man den gesamten See überblicken konnte. Jennifer: „Elena, ich sehe doch, wie du alle paar Minuten verstohlen auf dein Handy schaust, und auch wenn ich verstehe, dass dein Herz in New York ist, mache ich mir Sorgen, dass du vor lauter Sehnsucht vergisst, hier bei uns im Moment zu leben.“ Ich: „Es ist nicht nur die Sehnsucht, Mom, es ist diese ständige Angst, dass das Schicksal uns wieder einen Strich durch die Rechnung macht, genau wie damals beim Unfall, und dass ich Alec verliere, bevor wir überhaupt richtig angefangen haben, unsere gemeinsame Zukunft zu planen.“ Jennifer: „Hör mir zu, Schatzi, das Leben gibt uns keine Garantien, das haben wir auf die harte Tour gelernt, aber du darfst nicht zulassen, dass die Angst vor dem Morgen die Freude über das Heute auffrisst, denn Alec hat bewiesen, dass er für dich kämpft, egal wie groß die Hindernisse sind.“ Ich: „Du hast recht, aber manchmal fühle ich mich so schuldig, weil ich glücklich bin, während Jonahs Familie zerstört ist und mein Onkel so viel Leid verursacht hat – es fühlt sich fast so an, als würde mein Glück auf den Trümmern anderer Menschen thronen.“ Jennifer: „Das ist ein schweres Erbe, Elena, aber du bist nicht verantwortlich für die Taten deines Onkels, und das Beste, was du tun kannst, um die Vergangenheit zu ehren, ist, ein Leben voller Liebe und Aufrichtigkeit zu führen, genau das, was er nicht konnte.“ Wir kehrten langsam zum Lagerplatz zurück, wo Isabel mittlerweile triumphierend vor einem kleinen, rauchenden Feuer stand und uns mit einer Geste einlud, uns zu ihnen zu setzen, während der Duft von geröstetem Brot die kühle Waldluft erfüllte. Isabel: „Na endlich, ich dachte schon, ihr zwei hättet beschlossen, auf die andere Seite der Insel auszuwandern, aber pünktlich zum Essen seid ihr wieder da – und Elena, steck das Handy weg, Alec wird auch in einer Stunde noch der berühmteste Rockstar der Welt sein.“ Ich: „Ich verspreche es, Isabel, für den Rest des Nachmittags gehört meine Aufmerksamkeit ganz allein euch und diesem wunderbaren, leicht angekohlten Sandwich, das du da gerade produzierst.“ Philipp: „Das ist das Wort, auf das ich gewartet habe, und nach dem Essen erzähle ich euch die Geschichte, wie ich damals beim ersten Date mit deiner Mutter fast im See gelandet wäre, weil ich mich beim Rudern so dämlich angestellt habe.“ Wir lachten und scherzten, und für ein paar Stunden fühlte es sich wirklich so an, als würde der See all den Schmerz und die Sorgen der letzten Tage einfach schlucken und unter seiner glatten Oberfläche begraben. Doch tief in mir wusste ich, dass die wahre Prüfung erst noch kommen würde, wenn wir den Schutz dieser Idylle verlassen und nach Melbourne zurückkehren mussten, um uns der Realität und der Band zu stellen.
Thorned – Kapitel 67

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