Die Ankunftshalle des Flughafens in Melbourne war erfüllt von einem konstanten, nervösen Summen aus Durchsagen, rollenden Koffern und dem Stimmengewirr hunderter Menschen, doch für mich fühlte es sich so an, als stünde die Welt um uns herum völlig still. Ich umklammerte meinen Pappbecher mit dem mittlerweile kalten Kaffee so fest, dass das Plastik leise knirschte, während mein Blick wie hypnotisiert an der großen digitalen Anzeigetafel klebte, die unerbittlich die Minuten herunterzählte. Ich: „Isabel, siehst du das? Da steht jetzt ‚Gelandet‘. Das heißt, sie sind wirklich hier, sie sind auf australischem Boden und müssen nur noch durch den Zoll kommen, ohne dass Taylor wahrscheinlich wieder wegen irgendeiner vergessenen Banane im Rucksack aufgehalten wird.“ Isabel: „Atme, Elena, ganz tief durchatmen! Du bist so blass, dass die Leute gleich denken, du bräuchtest einen Notarzt statt eines Rockstars. Und was Taylor angeht – ich habe ihm extra eine Nachricht geschrieben, dass er ja keine Lebensmittel einführen soll, sonst ziehe ich ihn persönlich an den Ohren durch die Sicherheitskontrolle.“ Ich versuchte zu lächeln, doch meine Lippen zitterten vor Aufregung, während ich mich immer wieder auf die Zehenspitzen stellte, um über die Köpfe der wartenden Menge hinwegzusehen. Jedes Mal, wenn sich die automatischen Schiebetüren zum Sicherheitsbereich öffneten und ein Schwung müder Reisender herauskam, setzte mein Herz für einen Moment aus, nur um dann in einem noch wilderen Rhythmus gegen meine Rippen zu hämmern. Ich: „Glaubst du, er hat sich verändert? Ich weiß, es klingt dumm, weil es nur ein paar Wochen waren, aber nach allem, was passiert ist, habe ich das Gefühl, ein ganzes Leben lang von ihm getrennt gewesen zu sein.“ Isabel: „Elena, er ist Alec. Er wird wahrscheinlich genauso zerzaust und müde aussehen wie immer nach einem Langstreckenflug, aber sobald er dich sieht, wird er diesen einen Blick draufhaben, bei dem man merkt, dass für ihn nichts anderes auf der Welt existiert.“ In diesem Moment öffneten sich die Türen erneut, und zuerst sah ich Luca, der mit einem genervten Gesichtsausdruck zwei riesige Koffer vor sich herschob, gefolgt von Jack und James, die sichtlich übermüdet, aber breit grinsend in die Menge winkten. Und dann, direkt hinter ihnen, tauchte diese eine Gestalt auf, die mein Herz fast zum Stillstand brachte: Alec, in seinem dunklen Hoodie, die Kapuze tief im Gesicht, bis sein Blick die Menge absuchte und schließlich genau an mir hängen blieb. Isabel: „Da sind sie! Oh mein Gott, Taylor sieht aus, als hätte er drei Tage nicht geschlafen, aber er lacht! Elena, geh schon, worauf wartest du noch?“ Ich brauchte keine zweite Aufforderung; ich ließ den Kaffeebecher einfach auf den Boden fallen, ignorierte die empörten Blicke einiger Passanten und rannte los, als hinge mein gesamtes Leben davon ab, diese wenigen Meter so schnell wie möglich zu überwinden. Ich: „Alec!“ Ich schrie seinen Namen fast, und als er mich hörte, ließ er seine Tasche einfach mitten im Weg fallen und breitete die Arme aus, gerade noch rechtzeitig, bevor ich mit voller Wucht gegen ihn prallte und meine Arme so fest um seinen Hals schlang, dass ich kaum noch wusste, wo ich aufhörte und er anfing. Alec: „Gott, Elena… ich hab dich. Ich bin hier. Ich lass dich nie wieder so lange allein, das verspreche ich dir.“ Er vergrub sein Gesicht in meiner Halsbeuge und ich spürte, wie er tief einatmete, während seine starken Hände mich so fest an sich drückten, dass alle Angst, alle Zweifel und der ganze Schmerz der letzten Wochen in diesem einen, perfekten Moment der Geborgenheit einfach wegschmolzen.
Thorned – Kapitel 73

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