Der offizielle Teil war geschafft. Luca drängte uns durch eine schwere Brandschutztür in einen der sterilen, hell erleuchteten Seitenflure des Konferenzzentrums. Die Jungs liefen ein paar Schritte voraus; Jack und James klopften sich gegenseitig auf die Schultern, sichtlich erleichtert, dem Blitzlichtgewitter entkommen zu sein. Ich: „Ich muss nur kurz meine Tasche aus dem Vorraum holen, Luca. Geht schon mal vor zum Van, ich bin in zwei Minuten da.“ Alec: „Elena, warte, ich komm mit.“ Luca: „Alec, bleib hier. Wir müssen kurz die Setlist für morgen durchgehen, bevor wir das Gebäude verlassen. Isabel ist ja bei ihr.“ Isabel nickte mir zu und blieb stehen, während ich die wenigen Meter zurück zum kleinen Empfangsbereich lief, in dem wir unsere privaten Sachen deponiert hatten. Doch als ich um die Ecke bog, blieb mir fast das Herz stehen. Dort, im Schatten einer massiven Betonsäule, stand eine Gestalt, die ich hier absolut nicht erwartet hätte. Mein Atem stockte. Es war Chris, mein ehemaliger Chef. Er trug seinen üblichen, perfekt sitzenden Anzug, aber sein Gesicht war vor Zorn gerötet. Chris: „Da bist du ja endlich, Elena. Ich dachte schon, ich müsste dich erst über einen roten Teppich jagen, um ein Wort mit dir zu wechseln.“ Ich: „Chris? Was machst du hier im Pressezentrum? Wie bist du überhaupt hier reingekommen?“ Chris: „Glaubst du wirklich, ich hätte vergessen, wie du kurz vor deinem Abflug nach Athen in mein Büro gekommen bist? Du hast mir die Kündigung hingeknallt, gerade als die heiße Phase im Projekt begann. Ich habe dir damals schon gesagt, dass ich das nicht einfach so hinnehme, Elena!“ Ich: „Chris, das ist Wochen her. Ich habe damals persönlich bei dir im Büro gekündigt, weil ich wusste, dass ich diesen Neuanfang brauche. Ich habe meine Fristen eingehalten.“ Chris: „Fristen hin oder her, du hast mich im Stich gelassen! Und jetzt sehe ich dich überall in den Nachrichten. Du spielst die große Begleiterin für diesen Rockstar, während meine Kanzlei unter dem Personalmangel leidet, den du verursacht hast. Ich habe Zeit in deine Ausbildung investiert, und du wirfst alles weg für diesen… diesen Zirkus hier!“Isabel: „Hör mal zu, Chris. Sie hat gekündigt, bevor sie überhaupt nach Griechenland geflogen ist. Die Sache ist seit Wochen erledigt. Verschwinde, bevor ich die Security rufe!“ Chris: „Ich habe jedes Recht, eine Erklärung zu verlangen! Elena, du ruinierst deinen Ruf. Diese ganze Publicity mit der Band, das Familiendrama in Athen – das ist Gift für deine Karriere. Ich werde dafür sorgen, dass dich in Melbourne niemand mehr ernst nimmt, wenn du nicht sofort Vernunft annimmst.“ Bevor ich antworten konnte, hörte ich schwere Schritte im Flur. Alec und Taylor kamen um die Ecke, ihre Mienen wurden sofort steinhart, als sie die Situation erkannten. Alec versteifte sich augenblicklich, als er sah, wer mich da bedrängte. Alec: „Ganz ruhig, Chris. Ich dachte, wir hätten das Thema bereits geklärt, als du Elena damals im Büro so angegangen bist. Was zur Hölle suchst du hier?“ Chris: „Ach, der große Rockstar persönlich. Alec, wir wissen beide, dass sie in mein Team gehört und nicht in deinen Tourbus. Sie verschwendet ihr Talent für deine Scheinwelt!“ Alec: „Das ist allein ihre Entscheidung. Und jetzt mach, dass du wegkommst, bevor ich meine Geduld verliere. Du hast hier Hausverbot, und wenn du Elena noch einmal so anspritzt, wird das Konsequenzen haben, die deine Kanzlei nicht überlebt.“
Thorned – Kapitel 85

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